vergangene Sonderveranstaltungen

400 Jahre Generalsynode

 

Das Jubiläum 400 Jahre Generalsynode, die Gründungssynode der ev. Kirche im Rheinland, war Bestandteil des Kulturhauptstadtprogrammes Ruhr.2010 und wurde mir einer Sondersynode in der Salvatorkirche vom 4.9. bis 12.9.2010 gefeiert.

Am 12.9. fand aus diesem Anlass ein Fernsehgottesdienst in der Salvatorkirche statt.

Alle Informationen zu den Konzerten und Veranstaltungen hierzu finden Sie unter www.wir-sind-so-frei.de

 

 

Bibelmarathon


Rückblick: Lectio Continua - Bibelmarathon in der Salvatorkirche
Sonntag, 17. Juli bis Donnerstag, 21. Juli 2011


99 Stunden und 21 Minuten Sola Scriptura in der Salvatorkirche
Am Donnerstag, den 21. Juli 2011, um 15.21 Uhr war es soweit. Die Lectio Continua war abgeschlossen, unsere neue Altarbibel eingeweiht. 230 Leserinnen und Leser, 24 Menschen im Hintergrunddienst, ca. 1000 Zuhörer für die 1711 Seiten der neuen Bibel. Stellvertretend für die vielen, verschiedenen Erfahrungen beim Zuhören und Vorlesen veröffentlichen wir hier Erfahrungsberichte von Leserinnen und Lesern der Lectio Continua.

Sina Jaeger
Ich will kurz die Gelegenheit ergreifen und von meinem schönsten Erlebnis während der Lectio Continua berichten. Ich begleitete meinen Lebensgefährten zu seinem Lesungsabschnitt, der morgens um 5.30 Uhr beginnen sollte. Es war noch kühl und dunkel draußen. In der Salvatorkirche herrschte dagegen eine warme und besinnliche Atmosphäre, was durch das Kerzenlicht verstärkt wurde. Ich habe mich, trotz dieser frühen Stunde, sehr willkommen und entspannt gefühlt. Während mein Lebensgefährte seinen Abschnitt vorlas, begann es draußen hell zu werden und wir begrüßten gemeinsam mit anderen Besuchern in der Kirche einen wunderschönen Morgen. Ich bin dankbar für diese Erfahrung.

Rolf Albers
Ich möchte mich bei Ihnen recht herzliche dafür bedanken, dass ich bei dem Bibel-Marathon mitmachen durfte. Es war schon sehr beeindruckend für mich, in der dunklen Kirche zur abendlichen Zeit einen Teil des Lukas-Evangeliums vorzulesen. Durch das laute Lesen habe ich die Texte viel intensiver empfunden als wenn ich sie in einem Gottesdienst höre, wo man doch hier und da akustisch und visuell abgelenkt wird.

Ines Renner
Natürlich habe ich meinen Leseabschnitt Zuhause einmal laut gelesen, brauchte dafür 27min und dachte mir so, aber langsamer darfst du auf keinen Fall sein, damit ich ja im Zeitrahmen bliebe.
Am Montagmorgen standen mein Mann Jörg, Alexander und ich um 3 Uhr auf, um ja nicht zu spät zu kommen, außerdem wollten wir die nächtliche Atmosphäre einfangen und einigen anderen Vorlesern lauschen. Nachts in der Kirche ... welch ein Ereignis. Ich war ziemlich aufgeregt, laut vor Publikum vorzulesen. Mein Sohn Alexander las vor mir und mein Mann hatte den Part nach mir übernommen, danach habe ich mich auf den Weg zum Job gemacht und meine beiden Männer blieben noch und lauschten der Lesung. Pünktlich 5.30 Uhr begann ich zu lesen, am Anfang war ich noch ziemlich angespannt und hielt mich mit beiden Händen am Stuhl fest, nach und nach wurde ich lockerer. Aber auf die Uhr schaute ich nicht, denn ich wollte mich um keinen Preis unter Druck setzen, denn ich wußte ja, dass ich im Zeitlimit lesen kann. Nach und nach verschwand meine Umwelt um mich herum und ich hatte das Gefühl mit Stuhl, Tisch, Licht und Bibel zu verschmelzen. Den Boden unter meinen Füßen spürte ich nicht mehr und mir kam es vor, als ob ich auf einer Wolke sitze und schwebe. Dieses Phänomen hielt an bis ich ans Ende meines Abschnittes kam. Ich fand mich im Hier und Jetzt wieder. Schade ... ich hätte noch weiterlesen können, so gefangen war ich von diesem Erlebnis.

Helga Busch
Texten der Bibel am frühen Morgen (in meinem Fall zwischen 4.00 und 8.00 Uhr) zu lauschen, war ein ganz besonderes Erlebnis. Die angezündeten Kerzen auf den Apostelleuchtern trugen auf ihre Weise zur feierlichen Stimmung bei. Beim Zuhören habe ich die Texte neu entdeckt. Die lesende Stimme ermöglichte es, einfach nur zuzuhören und keine anderen Gedanken zuzulassen. Nichts anderes stand um diese Zeit auf der Tagesordnung, das von dem Text ablenken konnte. Ich habe wunderbare Momente der Stille und der Konzentration auf das Wort Gottes erlebt. Es wäre schön, diese Stimmung öfter in den meist hektischen Alltag einfügen zu können.

Beim Selberlesen ist mir die halbe Stunde nicht lang geworden. Die sehr gut lesbare Schrift und die klare Ausdrucksweise ermöglichen leichtes und konzentriertes Vortragen. Ein Abwandern der Gedanken, das immer mal wieder beim leisen Lesen vorkommt, da man nicht so ganz bei der Sache ist, ist durch das laute Vorlesen nicht möglich. Aufgrund des vorherigen Übens zu Hause habe ich mich mit dem Text bereits im Vorfeld auseinander gesetzt. Manche Verse sind nicht leicht zu verstehen, so dass ein gewisser Gesprächsbedarf entstanden ist. Vielleicht ergebt sich die Möglichkeit, mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen.

Ewald Phillips
Vorab möchte ich Ihnen mitteilen, dass es mir eine große Freude bereitet hat, bei diesem Ereignis mitmachen zu dürfen und vermutlich als erster diese Seiten aus der neuen Altarbibel gelesen und vorgetragen zu haben. Ich möchte Ihnen und allen, die mit der aufwändigen Organisation beschäftigt waren, meinen herzlichen Glückwunsch aussprechen, denn es hat alles, zumindest bis Mittwoch mittag, minutiös geklappt und ich bin sicher, auch bis zum Ende am Donnerstag hat es keine zeitliche Verzögerung gegeben. Schade fand ich nur, dass die Textmenge für die halbe Stunde sehr viel war. Da blieb keine Zeit für schöpferische Pausen und klangliche Ausgestaltung des Textes, um es für den Zuhörer abwechslungsreich und spannend zu machen. Ich musste den Text nur so herunter sprudeln. Das war bestimmt nicht sehr einprägend für Zuhörer.

Lutz-Ruediger Langer
Anbei etwas Lustiges:
Der Leser hatte gerade begonnen und ich war noch mit dem Auswechseln der Es-wird-gelesen-Plakate beschaeftigt, als er unerwartet stoppte und froh in die Runde schaute.
Ich ging zu ihm hin und fragte leise: Was gibt es?
Vers 25. Ich bin fertig. war seine Antwort.
Ich sagte ihm, dass er nicht bis Vers 25, sondern bis Kapitel 25 lesen muesse. Da las er weiter.

Und etwas Ueberraschendes:
Die Dame hatte Ihre Lesung beendet. Der nachfolgende Leser war unerwartet nicht erschienen.
So fragte ich die Begleiterin der Dame, ob sie nicht schon immer mal lesen wollte. Sie wollte und ich wischte mir den Angstschweiss von der Stirn...


Friedel Küchler:
Einiges bei der Lectio Continua war für mich schon besonders, vor allem eine Bibel-Erfahrung, die ich bis dato häufig verdrängt habe: Bei meiner Lesung am Dienstag Mittag war eine ruhige, freundliche Atmosphäre. Der Hintergrunddienst war sehr angenehm organisatorisch stützend. Bei meinem Psalmen-Text waren sehr schöne Stellen zum Lobe Gottes dabei, aber auch der sehr deutliche Hinweise auf die Auserwählung des Volkes Israel. Dafür schlägt Gott die Ägypter in sehr übler und Weise.
Mein Frühmorgendienst am Mittwoch (4-8 Uhr) war von der Stimmung her sehr wunderbar: Das Licht durch die Kerzen, die Zentrierung auf das Pult durch das Leselämpchen, die als Schatten erscheinenden Besucher, die fast geräuschlos plötzlich da waren und irgendwann wieder gingen - das war sehr eindrucksvoll. Etwa eine Viertelstunde war ich alleine mit der Leserin. Aber auch das war ungeheuer intensiv. Aber es war Ezechiel dran, furchtbar blutig! Und Gottes Wüten entsetzlich. Es wurde selbst als schwere Verfehlung angeprangert, dass die Israeliten sich irgendwann friedlich irgendwo niedergelassen hatten, ohne die Ureinwohner mit dem Schwert zu vertreiben. Mit den Götzen und dem Baal - klar. Aber in der dunklen Kirche kamen diese Kapitel furchtbar rüber für mich. Der ganze Kirchenraum schien mir gefüllt mit gequälten und toten Menschen! Aber gut, dass irgendwann die Helligkeit die Nachtmare vertrieb. Also - für mich sind die wichtigsten Teile der Bibel nach wie vor die Evangelien, die Apostelgeschichte und die Briefe! Mit der Offenbarung habe ich auch so meine Schwierigkeiten. Aber die Lesung des dicken alten Buches hat doch Vieles wach gerufen!


Ingrid Hruby
Wie war das Lesen und Zuhören? Überraschend - zum ersten Mal ist mir bewusst geworden, wie wirkmächtig das mit Ernst gesprochene Wort ist, wie eindrücklicher als der gedruckte Text, der lautlos gelesen wird. Das fiel mir besonders auf, als ich vor meiner ersten Lesung in der Kirche saß, um mich einzustimmen. Gelesen wurde das Ende von Hesekiel Die Verteilung des Landes im letzten Kapitel ist, wenn man es liest, ja eher eine stroherne Epistel, aber nun war es richtig spannend. Die gewissenhafte Nennung jedes einzelnen Stammes - das war für mich die Erkenntnis: Bei Gott geht nichts verloren, jeder und jedes hat seinen Raum, niemand wird vergessen - eine wichtige Botschaft in einer Zeit, in der die Nachrichten vom Morgen abends schon alte Hüte und Schnee von gestern sind.


Karl Dungs
An der lectio continua der neuen Altarbibel der Salvatorkirche beteiligt gewesen zu sein und einen kleinen Teil zum gemeinsamen großen Werk von um die 250 Rezitatoren beigetragen zu haben, hinterlässt subjektiv ein befriedigendes, schönes Gefühl. Dem kann auch nicht die (jedenfalls von mir gemachte) Erfahrung Abbruch tun, dass das ganze vor einem verschwindend kleinen Zuhörerkreis stattfand. Diesem immerhin und dem/der jeweiligen Vorleser(in) konnte so ein Stück Heiliger Schrift privatissime näher kommen, womit die Aktion in meinen Augen vollgültig gerechtfertigt ist. Ob es allerdings unter dem Gesichtspunkt der Akustik eine glückliche Entscheidung war, die Lesung im Hauptschiff abzuhalten, bleibe dahingestellt: Mich hat als Leser und Zuhörer gleichermaßen der immense Nachhall des Gewölbes gestört. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, auf die Erfahrungen zurückzugreifen, die man anlässlich eines ähnlichen Vorlesemarathons vor ungefähr 25 bis 30 Jahren gemacht hatte: Damals wurde in der kleinen Mercator-Kapelle gelesen, und auf jeden Fall war das Ambiente intimer und der Konzentration aller Beteiligten förderlicher. Nichtsdestotrotz: Herzlichen Dank für die Initiative, die mit umzusetzen mir große Freude gemacht hat!


Edeltraud Müller
Mich hat es sehr berührt, dass es geklappt hat, so viele Menschen zu motivieren. Jung und alt. Es ist also noch möglich. Ich bin immer wieder zwischendurch in die Kirche gegangen, es war wie ein Magnet . Es zog mich immer wieder dorthin und irgendwie fehlte mir etwas als die Lesung zu Ende war. Mir hat auch der Begleitdienst sehr gut getan. ich fühlte mich so ernst genommen, als der nette Herr  mir 2 Gläser Wasser brachte. Mein Text aus der Chronik war nicht so prickelnd, aber das Gefühl eingereiht in die vielen LeserInnen hat mich beglückt und ich habe festgestellt, dass dies mehr wert war als den Text zu verstehen.


Christine Sprink
Ich habe an 2 Terminen bei der Lectio Continua teilehmen können und beide Male waren unterschiedlich. Beim ersten Mal ist meine Familie extra vorbei gekommen, so dass das Vorlesen etwas Privates gewesen ist. Die waren sehr überrascht über diese Aktion und haben die halbe Stunde des Zuhörens sehr genossen. Beim zweiten Mal war ich schon vertrauter mit der Situation: alleine vor den Zuhörern und der Kirche zu sitzen. Die sehr aufmerksamen, netten Aufpasser haben der Organisation Struktur gegeben, schon alleine dadurch, dass sie da waren und einen begrüßt haben.
Ich habe gehofft, dass ich kein Wort beim Vorlesen übersprungen habe, denn jetzt sollte jedes einzelne Wort der Bibel gelesen worden sein und damit eingeweiht sein. Wir Vorleser haben uns bei der Übergabe kurz begrüßt und uns ein kurzes Lob zugesprochen. Das ließ' ein Zugehörigkeitsgefühl bei mir aufkommen und ich war nicht allein. Ich war stolz, der Bibel für eine halbe Stunde meine Stimme zu geben und zu hören, wie die Worte in der Kirche klingen. Es war für mich ein festliches Ereignis.
Aber auch als Zuhörer war es ein schönes Erlebnis und ich bin einmal extra vorbei gekommen, um die Ruhe zu spüren und die Worte der Bibel zu hören. Einmal hat eine Mutter mit ihrer Tochter im Wechsel aus der Bibel gelesen, was eine sehr schöne Idee ist.
Es hatte für mich auch in der Woche irgendwie etwas Beruhigendes: im Hintergrund des eigenen Alltags habe ich immer wieder an die gerade laufende Lesung gedacht und dass ich Teil dieser Lesegemeinschaft war. Also, vielen, vielen Dank für diese tolle Aktion!


Bärbel Likar
Ich gehörte zu den Glücklichen, die vorlesen durften, und dass es ein Glück war, ist schon mal der erste Punkt der Rückmeldung, und warum, das will ich kurz erläutern: morgens um 7.00 Uhr (Donnerstag) eine fast leere Salvatorkirche zu erleben ist schon außergewöhnlich. Meine
Vor-Vorleserin war wohl noch im Nachtmodus: Kerzen flackerten und die Lautsprecher schienen mir auf leise eingestellt, ich hatte Zeit, mich auf den Raum und den Vorgang des Lesens erst einmal als Hörerin einzustellen, auch ein Glückfall, wie ich es empfand. Eine weibliche Laienstimme verlas das Evangelium, für mich als katholische Christin ein emanzipativer Vorgang. Beglückend auch eine etwa 5-minütige Pause zwischen dem Vorlesen meiner Vorgängerin und dem Beginn meines Vorlesens: die Kerzen wurden gelöscht, die Lautsprecher auf Tagbetrieb eingestellt (so erschien es mir), ein Glas Wasser wurde für mich bereitgestellt und ich konnte beginnen.

Wie schön, dass ich von Ihnen die Textfassung im vorhinein erfragt hatte; die schöne neue Bibel in der Salvatorkirche hatte den vertrauten Text, den ich mir in Wortgestalt und Inhalt erarbeitet hatte.(Revidierter Luthertext aus der Moerser Stadtbiblothek, theologische Feinheiten aus den eigenen
Ausgaben: Jerusalemer Bibel und der Bibel in gerechter Sprache.) Das war
auch ein Glück: das Vor-Lesen hat mich zur Bibelarbeit motiviert und Paulus war mir nahegekommen, genauer: ich dem Paulus.

Mehr als 5 Zuhörer und Zuhörerinnen habe ich am Donnerstagmorgen nicht wahrgenommen und selbst wenn ich mit der Begleitung allein gewesen wäre: in diesem Kirchenraum, mit diesen fein eingestellten Mikrofonen und Lautsprechern 30 (d r e i ß i g) Minuten vorlesen zu dürfen, das war ein Erlebnis und pures Vorlese- und Hörvergnügen, ja Glück. Das intensive Wahrnehmen der eigenen Stimme mit dem vertrauten (und zugleich auch fremden, weil Paulus-)Text werde ich nicht vergessen, dafür bin ich zutiefst dankbar.
Die bereitgestellte Uhr zeigte, dass ich die Zeit eingehalten hatte und meine Vorlese-Nachfolgerin machte mir noch ein schönes Kompliment zu meinem Vorlesen, dann musste ich die Kirche verlassen und zur Arbeit fahren, ich habe begeistert von meinem Erlebnis berichtet, ungefragt.
So habe ich auch diese e-Mail ungefragt geschrieben, weil es mir ein
Bedürfnis ist, ihnen für die Möglichkeit zu danken, am Bibelmarathon
teilzunehmen und es so zu erleben.
Übrigens, es war auch Stadtgespräch noch nach Tagen, und dass Bibel überhaupt zum Gesprächsgegenstand werden kann, tat und tut mir als Religionslehrerin sehr gut. Auch dafür ein herzliches Vergelt`s Gott.

Ingrid Menk
Meine Eindrücke zum Bibelmarathon: als ich viermal mitten in der Nacht zu meinen Lesungen kam und durch das große Portal die Kirche betrat, überkam mich immer eine ganz besondere Stimmung. Es hatte so etwas mystisches, wenn ich in der sonst dunklen Kirche hinten das Licht sah und jemand las, ich die Worte aber noch nicht verstehen konnte, sondern erst, wenn ich langsam durch den Mittelgang darauf zuging. Ich hörte dann immer noch eine Weile zu, bis ich an der Reihe war, zu lesen. Der Bibelmarathon war ein großartiges Ritual und ich bin froh, dass ich  daran teilgenommen habe.

Karin Dauenheimer
Ich hatte eine Lesestelle in den kleinen Propheten. Gerade war ich mit Obadja fertig und wollte das Buch Jona beginnen, da öffnete sich die Kirchentür und eine Schulklasse (ca. 6. Klasse) schlich gaaaaaanz langsam und gaaaaaanz leise herein. Es waren viele türkische Kinder darunter und da ich die Lehrerin kenne, wusste ich, dass es eine Hauptschulklasse aus Hochfeld war. Ich wartete, bis alle endlich saßen, einige trauten sich offensichtlich kaum in die Bankreihe. Dann sagte ich, dass jetzt eine der schönsten Geschichten der Bibel käme, die ich sehr liebe und dass diese Geschichte von Jona auch im Koran stünde. Upps. die Aufmerksamkeit erschien mir um so greifbarer. Danach konnte ich mich noch kurz mit den Kindern und der Lehrerin austauschen. Das war sehr schön.
Die Aktion war auch in der Stadt Gespräch und ich wurde von Leuten angesprochen, die selber gar nicht dort waren. so wurde ich z.B. gefragt, ob ich denn da auch mit gelesen habe. allgemeine Volksmeinung: eine gute Sache.

PS: Leider steht in dieser revidierten Übersetzung immer noch  Mohren, z.B. Amos 9,7


Lieselotte Nuthmann
Ich habe gern an dem Bibelmarathon teilgenommen. Hier einige Eindrücke:
- Die gesamte Athmosphäre in der Salvatorkirche mit den Kerzen, auch den schönen großen in den Seitenschiffen, dem vorbereiteten Tisch mit der aufgeschlagenen neuen Bibel, der Tischlampe, hat mir gut getan.
- Wohltuend habe ich auch das Wirken von meinem guten Hintergrundgeist Frau Eichholz empfunden, die mir das Glas Wasser brachte, auch mal einfach in der Nähe saß.
- Gut fand ich auch, dass jedes Mal die Textstellen auf den großen Bogen an zwei Plakatwänden ausgehängt wurden zur gut sichtbaren Information für Besucher.
- Meine Nervosität verflog, als ich auf dem Lesestuhl saß, mich dann nur auf den gut lesbaren Text konzentrierte und das Gefühlhatte, dass ich mit Hilfe des Mikrofons in der Kirche gut zu hören war.
- Schön war, dass einige mir bekannte Menschen als Zuhörer anwesend waren.   -   Ich bin nach meinem Lesen auch zum Zuhören da geblieben und auch am Mittwoch Mittag nochmal zum Zuhören hingefahren.

Der Text, den ich aus Jesaja(29.9 - einschl. 36) zu lesen hatte, war mir in der Lutherübersetzung aus meiner Bibel her bekannt. Er war recht schwierig, aber der Text hat mich fasziniert, weil GOTT immer wieder um sein Volk gerungen hat, dass es Hilfe von IHM erwartet und nicht z. B. von den Ägyptern oder Assyrern. ER hat seinem Volk auch immer wieder aus den Knechtschaften herausgeholfen, indem er z. B. die Ägypter bzw. Assyrer vernichtete. Diese blutrünstigen Textstellen zu lesen, war zwar nicht so einfach.


Gabriele Hutschenreiter
Ich hatte mich bei meinem Einsatz auf eine lange Session eingerichtet und war nachts um 3.20h - mit Butterbroten und Thermosflasche ausgerüstet - aufgebrochen. Ich war ganz überrascht, dass ich nur vorlesen musste und die restlichen 4 Stunden der Wache nicht eingesetzt war.
Das Betreten der Kirche um diese Zeit war ein besonderes Erlebnis. Mir war ein bisschen feierlich zumute: die dunkle Kirche mit einigen Lichtern ausgeleuchtet, das helle Pult und die bekannten und unbekannten Mitstreiter, alles kam mir sehr festlich vor. Und dann mein großer Auftritt: in der Kirche vorlesen. Es ist gutgegangen und hat Freude gemacht.
Danach habe ich meine Bütterchen und den Tee verteilt, denn ich brauchte beides nicht mehr und es wurde froh angenommen. Ich freute mich auf mein Bett. Tatsächlich bin ich mit frohem Herzen noch einmal tief eingeschlafen.


Friedemann Vietor
Für Zuhörer und Lesende war der Bibel-Marathon ein unbeschreiblich tiefgreifendes Erleben. Die kleine Lichtinsel vorn in der Kirche vermittelte Ruhe und Geborgenheit, schon ehe der gelesene Text den Hörer erreichte. Als Leser fühlten wir uns mit der Bibel allein, mit einer Nähe und Intensität, wie wir sie nie zuvor empfunden hatten. Selbst harsche, sperrige Texte des alten Testaments erschlossen sich neu.
Alles spricht dafür, dieses Erlebnis nicht als einmalig abzutun. Wann ist der nächste Bibel-Marathon?

Ellen Behrendt
Für den Bibelmarathon konnte ich mir nicht meine Lieblingsstellen aus der Bibel aus-
suchen, sondern musste mich nach meinem Zeitplan und den noch freien Zeiten im Plan richten. Das erwies sich aber als gut: denn ich durfte mich mit Bibelstellen auseinandersetzen, die mir gar nicht so vertraut waren.
Das Lesen selbst war für mich eine sehr eindrucksvolle Erfahrung: In dieser schönen Kirche jeweils eine halbe Stunde aus der Bibel laut zu lesen - ja, das hatte schon was!
Dabei spielte die Anzahl der Zuhörer für mich überhaupt keine Rolle. Ich h�tte jedesmal gerne noch weiter lesen wollen. Gerne war ich auch zu verschiedenen Zeiten Zuhörer. Auch das hatte seine besondere Note. Ja, es war ein sehr eindrucksvolles Erlebnis. Vielen Dank dafür

Rüdiger Harder
Zunächst herzlichen Glückwunsch zu der schönen neuen Altarbibel!
Die Aktion Bibelmarathon war für mich ein Erlebnis besonderer Art und
hat mir Spaß gemacht. Allein schon die Vorbereitung! Nachdem ich den Text meines Leseabschnittes in der Bibel nach Luther-Übersetzung von 1984 im Internet gefunden und ausgedruckt hatte, habe ich ihn dreimal laut gelesen (zweimal hat meine Frau zugehört) und jedes Mal in der vorgegebenen halben Stunde zu Ende gebracht.
Am Tag der Lesung in der Kirche war mein Vorgänger rechtzeitig fertig, so dass ich meine Vorlesung ruhig angehen lassen konnte. Meine anwesenden Bekannten haben mir dann auch bestätigt, fehlerfrei gelesen und auch Dank der Verstärkeranlage alles gut verstanden zu haben.

Anke Rüdiger:
Die Lectio Continua war ein schönes und interessantes Projekt, das allen Beteiligten viel Spaß gemacht hat, wie ich den zahlreichen Gesprächen entnommen habe, die ich geführt habe. Alle sagten mir, daß das mal etwas ganz Besonderes für sie sei. Viele, die aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen kein Ehrenamt bekleiden können, hatten auf diese Weise einmal Gelegenheit, sich aktiv am Kirchengeschehen zu beteiligen. Einige, auch ich, fanden es besonders reizvoll, einmal die nächtliche Atmosphäre in der Kirche zu erleben. Für alle Beteiligten war das Projekt ein Anstoß, sich mal wieder mit der Bibel zu beschäftigen oder sich mit bestimmten Bibelstellen besonders auseinanderzusetzen. Auf alle Fälle ist es so, daß jeder für sich persönlich etwas von diesem Projekt mitgenommen hat, und sich sicherlich immer wieder gerne daran erinnern wird.

Besonders originell fand ich die beiden Mädchen, die einmal nachts im Schlafsack hinter den Tischen schliefen, bis ihre Lesezeit gekommen war. Zuerst wußte ich gar nicht, daß sie auch vorlesen. Meine Vorgängerin wußte nur, daß sie dort lagen und es wohl mit Ihnen abgesprochen war. Sie sagte, ich solle sie mal da schlafen lassen, solange sie nicht stören. Dann kam aber ein Ehepaar, wohl die Eltern, die nach ihnen schauten (sie schliefen aber fest). Der Vater sagte dann, daß er nach Hause müsse, weil er am nächsten Morgen früh raus müsse, und die Mädchen ja erst um 1.30 Uhr dran wären. Erst da ging mir ein Licht auf! Als sie sich um 1.20 Uhr noch nicht rührten, ging ich zu ihnen und habe sie geweckt (aus dem Tiefschlaf). Sie waren dann pünktlich zur Stelle und haben schön gelesen.

Mein persönlicher Lesetermin war am Montag um 15.00 Uhr. Ich habe mir die Stelle aus Samuel 2 ausgesucht, wo König David den Ehebruch begangen hat und seinen Nebenbuhler hat töten lassen. Ich habe mir diese Bibelstelle ausgesucht, weil ich es immer so unglaublich fand, daß ausgerechnet König David so etwas getan hat, und ich deshalb nie Zugang zu ihm gefunden habe. Deshalb wollte ich mich damit nochmal beschäftigen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, daß meine Eltern da waren und mir zugehört haben.

Insgesamt ist alles wunderbar und reibungslos verlaufen und hat mir großen Spaß gemacht und einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Nun freue ich mich schon auf das nächste
interessante Projekt :-)

Jörg Renner:
Die Lectio Continua war zwar keine Eventparade, aber sie war spektakulär und großartig! Wer die Menschen gesehen und gehört hat, die gelesen haben und selber als Lesender erfahren hat, was da mit einem passiert, der kann nur sagen, das erlebst du nicht alle Tage und für Geld kaufen kannst du dir das auch nicht. Denn was ist da passiert auf diesem Podium mit dem Tisch, der Leselampe und dem Buch. Da haben Menschen erlebt wie das ist, wenn man plötzlich hinter die Spiegel gerät, wenn man Zeit und Raum vergisst, sich auf einer einsamen Insel nur mit sich und dem Buch wähnt, meint, irgendwie mit dem Podest zu schweben oder den Eindruck hatte, das spricht mit einem, statt daß man selber aus dem Buch liest. Diese Sache hatte etwas, wonach wir Menschen große Sehnsucht haben: ohne großes Getue Teil einer Sache zu sein und zugleich ganz bei sich sein zu können. Vergemeinschaftung und Selbstverwirklichung zugleich, nicht zulasten Dritter mein Ding machen, sondern ich mache mein Ding und zugleich ist das ein Wir-Ding, das ist völlig außergewöhnlich und eine Kirchengemeinde kann stolz sein, dem modernen und in vielem irritierten und desorientierten Menschen so etwas bieten zu können. Die Frage nach dem Sinn der Lectio Continua stellt sich gar nicht mehr, wenn man mit den Lesenden und den Miterlebern spricht, dann stellt sich viel eher die Frage: wo kannst Du denn sowas eigentlich noch erleben und da wäre ich gespannt auf Antworten.

Was ich bei der Lectio erlebt habe:

Einen 12-jährigen, der sich mit großem Engagement durch ein Dickicht an genealogisch aufgeladenen Satzperioden kämpfte und sich bravourös geschlagen hat (1. Chronik 12-17). Ich habe in jener Nacht gedacht, das hat Kultpotential (komm, wir lesen Chronik, das ist so ein ganz besonderer Flow).

Menschen, die mit ganz viel Liebe und Engagement gelesen haben. Jede/r hat seine halbe Stunde gestaltet, war erkennbar ganz bei sich und ganz beim Text, ja, das verschmolz und man konnte erleben, wie einzelne Lesende im Text verschwanden.
Junger Mann in der Kirche, sitzt nachts in den hinteren Bänken. Ich: Darf ich Sie mal fragen, warum Sie hier sind? Junger Mann: Man hat mir geraten, mal nachts in die Kirche zu gehen. Ich wollte nur mal ein ¼-Stündchen gucken und bin hängen geblieben.
Er wußte gar nichts von der Lesung, war über drei Stunden Zuhörer, hat es sich mit zwei, drei Sitzkissen in einer Bankecke bequem gemacht und ist dann irgendwann nach zwei Uhr still gegangen. Ich weiß den Namen diesen jungen Mannes nicht und nichts von ihm, aber der gehört jetzt zu meinem Leben.

Überhaupt dieses stille Kommen und Gehen der Menschen. Zuhörer, die sich still in die Bank setzen, Lesende, die still kommen, kurz Blickkontakt mit dem Hintergrunddienst suchen, sich in die Bank setzen und dann nach vorne gehen, lesen, am Ende sich kurz zurücksetzen, Besinnung, aufstehen, vom Podest steigen und ohne Aufhebens gehen. Es war bemerkenswert, wie unaufgeregt die Menschen sich einreihten in die Lesefolge und dann mit allem, was sie sind und haben, in den Text gingen und Gottes Wort eine Stimme gaben.

Die Freundlichkeit der Menschen, die Kirche, der Tisch vorne mit der Bibel, die Ruhe im Raum, die Würde der Situation, das alles verschmolz zu einer Magie des Hier und Jetzt, die ganz außerordentlich war.

Alles hat von der ersten bis zur letzten Minute ohne Aufregung geklappt. Alle Lücken/Absagen schlossen sich ohne viel Getue fast von allein und wir kommen am Donnerstag um 15.21 ans Ende (diese eine Minute drüber gefällt mir übrigens: nicht zu pingelig, aber erkennbar alles im Griff). PS: Hätten wir nicht zusammen ein Lied singen können/sollen?

Nachts um 01.45 kommt ein freundliches junges Paar in die Kirche. Ich (Hintergrunddienst) frage: Lesen Sie gleich (man kann nicht jeden kennen vom Plan)? Sie: Nein, wir wollen nur zuhören. (das ist nachts um 01.45 Uhr irgendwie großartig, finde ich).

Margret Neuhaus-Sedlak
Meine persönliche Erfahrung war wunderschön. Während des Lesens ist mir der Text plötzlich viel klarer geworden als beim Probieren daheim. Ich war mit einem Mal mittendrin.  Die gesamte Atmosphäre tat ein übriges. Es war eine Wohltat für die Seele. Ich bereue es, mich nicht zu mehr Terminen gemeldet zu haben. Schade, dass es vorbei ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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